So, es ist soweit. Der Berg von Dingen, die heute im Laufe des Nachmittags alle in meiner grossen Seefahrertasche verzweifelt nach Platz suchten, ist weg. Alles verstaut. Bin müde und erschöpft, und dennoch nervös wie nie. Den ganzen Tag über dachte ich an die vielen schlimmen Dinge, die mir morgen am Flughafen ALLE passieren werden. Ich werde mich verlaufen, zu spät kommen, mein Gepäck wird durchleuchtet und anschliessend in die Luft gesprengt, weil zu viele kleine elektronische Teile darin sind, die alle wie ein nahöstlicher Bombenbaukasten aussehen, ich werde meinen Flieger verpassen, weil sie mich verhaften, und mich wegen eines Kugelschreibers in meiner Jackentasche und einiger arabischer Schriftzeichen auf meiner Adressliste für Bin Ladens Schwiegermutter halten. Die blonde Frau wird mich mit einem Lächeln um verzeihung bitten, es sei ja alles nur ein Missverständnis, und ich möge bitte meinen verpassten Anschlussflug in London entschuldigen. Eine Nacht im Flughafen später werde ich irgend wann in Glasgow landen, und David, der mich abholen wollte, ist längst nicht mehr da. Naja, ich hab mir jetzt mal seine Adresse besorgt. Aber wer kann wissen, ob mich der Taxifahrer dann nicht ganz wo anders absetzt, und mich als Willkommensgruss erst mal ausraubt??
Uff… der Koffer ist gepackt, ja… ich werde melancholisch. Denke an alles was ich zurück lassen muss. Meine ganze freiheit ist jetzt in diesem Koffer, und ich fühle mich klein. Ich sehne mich nach Deiner Schulter, und irgendein verlassenes Geräusch im Haus lässt deine Stimme in meinem Ohr flüstern… Ich lächle, als mir eine Träne über die Wange rollt… warum das alles… Es gibt keine Antwort, JETZT nicht. noch ein Glas Martini fürs Gemüt, und etwas Tee für die Nerven, dann gehe ich schlafen, und die Nacht – meine letzte hier – bricht über mich herein…


