Was dem Neuankömmling als undurchdringbarer Wortschwall erscheint, wird dem Eingeweihten zum Triumph, wenn er sich, nach wochenlangem Training, der korrekten Antwort gewachsen sieht, und diese, ohne mit der Wimper zu zucken, dem eingeborenen Herausforderer entgegen schmettert: „Nah, sorry pal, a dinnae smoke.“
Zur Erklärung: Die Frage im Titel ist eine „catch phrase“ aus dem Alltag. Begegnest du auf der Strasse einem Jungen zwischen 14 und 20 Jahren, mit dünner weisser Adidas jacke, dunklen Trainingshosen und einem Baseball Cap auf dem Kopf, dann sei auf diese Frage gefasst. pals sind hier fast alle. Es ist die allgemeine Bezeichung für Freunde, Kollegen, Taxi- und Busfahrer, und wird immer gerne gehört, da diese Anrede jegliche Feindseligkeit zu beseitigen scheint; in Schottland sieht man gerne über gesellschaftliche Unterschiede hinweg, selbst wenn es solche ganz offensichtlich gibt. Die Aufmerksamkeit des Gesprächspartners mit here auf sich zu ziehen kennt man ja auch in der deutschen Sprache. „Hier Junge, kannst du mir mal helfen?„
Ich glaube das einzig problematische Wort nach pal ist fag. In anderen englischsprachigen Regionen bezeichnet man damit gerne Homosexuelle. Dem ist hier in der Regel NICHT so. A fag, ist eine Zigarette! Es gibt Theorien, die die Etymologie des Wortes auf eine im Mittelalter verwendete Bezeichnung für Holzbündel zurück führen, die zum Anzünden des Scheiterhaufens verwendet wurden. (Die selbe Theorie liegt übrigens dem deutschen Wort „schwul“ zugrunde, welches vermutlich von schwelen abgeleitet ist, und auf mitelalterliche Hinrichtungsmethoden verweist). Diese Etymologie ist für das englische fag jedoch nicht bestätigt.
„Here, my friend, have you got a cigarette on you?“ – „No, sorry man. I don’t smoke.“
Soweit mal wieder der Beitrag für die linguistisch interessierten Leser meines Blogs (gell David
). erm… was lief die letzten Wochen (Monate??): Weihnachten! – Mein pal Colin hat mich eingeladen, am 24. Dezember in seine WG zu kommen, und mit Ihnen den Vorweihnachtsabend und das Christmas-Dinner zu zelebrieren. Es war eine sehr frohe, angenehme und beinah familiäre Stimmung, und ich war wirklich dankbar, diesen Abend nicht alleine in meinem Zimmer in Dennistoun verbringen zu müssen. Peter, mein Landlord (Vermieter), hat die Wohnung zwar schön geschmückt, aber wir hätten zu zweit wohl kaum so viel „Liebe in den Raum“ gebracht, wie es bei Colin möglich wurde.
Hier „funktioniert“ Weihnachten ja insgesamt etwas anders. Es kommt nicht das Christkind, sondern der Weihnachtsmann, und zwar nicht am Abend des 24. sondern in der Nacht oder am frühen Morgen des 25. Dezember, also am eigentlichen Weihnachtstag. Dessen Wichtigkeit wird hier fast mehr betont, als in unseren Ländern. Es ist ein Tag, an dem es allen gut gehen soll, ein Tag, an dem man sich um die Freunde kümmert, und versucht Freude zu verbreiten.
Am Boxingday, dem 26. Dezember, erfreute ich mich des Besuches von Sandro, aus der Schweiz. Das erste vertraute Gesicht seit langem. Wir hatten zwei sehr schöne Tage, bevor ich unerwartet krank wurde
…die Grippe nagelte mich für zwei Tage ans Bett, und wir konnten nicht wirklich das unternehmen, was wir geplant hatten. (I’m so sorry, Sandro!) – Wir hatten uns besonders darüber gefreut, dass nur wenige Tage vor Hogmanay (Neujahr) die Karten für den grossen Neujahrs-Event auf dem George Square ins Haus flatterten. Als der besagte Abend nahte, und ich mich gerade in meine Dicksten Klamotten wickeln wollte, um die mindestens 6 Stunden auf dem grossen weiten Platz vor den City Chambers (Rathaus) zu überstehen – das Wetter war den ganzen Tag über unheimlich Stürmisch und kalt gewesen – erreichte mich die Nachricht von einem anderen deutschen Austauschstudenten, dass der Event des schlechten Wetters wegen abgesagt worden sei. …Welche Enttäuschung!
Nichts desto Trotz stiegen Sandro und ich ein paar Stunden später ins Taxi und liessen uns is Zentrum fahren. Es war wohl klar, dass nun die 6′000 erwarteten Besucher des Events in den Pubs, Bars und Clubs der Innenstadt für gute Laune sorgen würden… Dem war so! – Wir hatten eine sehr schöne „night out“, trafen auch noch Freunde von mir, mit denne wir ins neue Jahr rutschten, und fielen, nach einem Burger auf dem Heimweg, erschöpft in die Federn. Happy New Year!
Nach Sandro’s Abreise am 1. Januar *schnüff musste ich mich sogleich auf mein nächstes Essay stürzen: Onomastics – Field Names… Also wen’s interessiert, dem kann ich das gerne zukommen lassen. Aber in der Regel scheitert’s an diesem Kriterium *Staub-hust*
Mein erstes Essay über Phonetik habe ich gestern zurück bekommen. Im Kommentar steht unter anderem folgendes:
„You spend most of the essay describing in relatively clear terms the nature of the data[...]. Your exposition, though couched in fairly pedagocical terms, shows that you understand the material well. [...] Is this, what the essay was supposed to be about?„
und
„There are one or two places where your English isn’t quite idiomatic enough, but you can work on this.„
Naja, für 16/20 hat’s (für einen ERASMUS Studenten) offenbar gereicht; Upper second class.
Was erwartet uns in den nächsten Wochen, Monaten (Noch kann man Monaten sagen… nicht mehr lange
): Auch der Gälischkurs hat wieder begonnen, und feuerte gestern gleich mit dem gefürchteten Genitiv los, den diese schrägen Vögel für den Plural verwenden (ähnlich wie den Dativ als Präpositional-Fall – tztztz). …aber es soll uns ja bereichern und unseren Horizont weiten.
Heute war ich beim Studiendekan des English language Departments und hab ihn gefragt, ob ich eigentlich für die beiden halben Kurse auch wie erwartet jeweils die Hälfte der Credits einstreichen können werde. Anfangs meinte er dass nicht, aber ich konnte ihn mit ein paar sorgfältig zurechtgelegten Argumenten überzeugen, dass doch ich als armer Erasmatiker… und die böse Uni zuhause… halber Aufwand… Kursüberschneidung etc. Da meinte er nur noch: „Also wenn Ihre Professoren nicht bereit sind, ihnen mindestens die halbe Anzahl der Credits zu zugestehen, dann schicken Sie sie mal zu mir. Schliesslich sind Sie eine art Spezialfall, und ich werde mich da klar für Sie einsetzen.“ – Danke, Professor Roach. Etwas anderes hätte ich von Ihnen auch nicht erwartet. Hehe!

Für alle die mich unterdessen doch ein bisschen vermissen: Mein Rückflug von Glasgow nach Zürich ist auf den 25. März bereits gebucht. Ich freue mich ein klein wenig darauf, denn ich hab Euch schon vermisst! Aber ein bisschen wird es mir wohl gehen, wie dem Jungen aus „L’Auberge Espagnole“ (falls jemand den Film gesehen hat…) wann geht man das letzte mal durch diese Strasse? Dieser Riss in der Wand an jenem Haus, den man jeden Tag gesehen hat, wann wird er zum vergessenen Detail in meiner Erinnerung werden? Und die Menschen…? Und ich werde ein bisschen weinen…


