Shabbah peep!
Ja, wo soll man anfangen? – Es kam alles so, wie ich dachte, dass es kommen würde… Du schaust auf den Kalender, und schmunzelst in dich hinein „Noch ganze 5 Wochen… YES!“ – tja, und dann fängt der Stress an. Deine Kurse neigen sich dem Ende, du hast Gespräche mit all deinen Profs und jeder meint er wolle dich mal noch persönlich sprechen, um deine Lernerfolge zu überprüfen, oder hätte gern noch das eine oder andere Essay von dir, zu diesem oder jenem Thema des Kurses. „Oder halten Sie uns doch noch einen Vortrag, so zum Abschluss.“ …und ehe du dir’s versiehst sitzt du in deinem Zimmer am PC, liest, forschst, schreibst; Stunden, Tage, Nächte vergehen. Hier dann noch ein Abgabetermin, jene Mündliche Prüfung abgelegt, das letzte Buch zurück gegeben …und wieder schaust du auf deinen Kalender. Doch diesmal kein Schmunzeln, keine Freude. Beklemmung macht sich breit, wenn du die Tage nochmal durchzählst… wirklich nur noch eine Woche?? wo ist die Zeit geblieben?
Jetzt heisst es planen, was es noch zu erledigen gibt. Es liegt Schnee in den Highlands, und ich habe keine guten Schuhe dabei – somit muss die sicherlich atemberaubende Landschaft dort oben wohl der beste Grund bleiben, eines Tages wieder zukommen. Noch einmal nach Edinburgh, Darren besuchen. Wir haben uns nicht so oft gesehen, wie wir es uns gewünscht hatten. Ich nehme mir zwei Tage dort, um die Stadt nochmal anzusehen und mich von einigen Freunden zu verabschieden (Danke Darren, Jojo, Liz-Anne). Wen man spontan so alles trifft, wenn man sich an einem Dienstag in einer fremden Stadt in einen Club traut… (danke Bert, Philipp, Alan, Marek) I’ll keep thinking of youse!
In Glasgow angekommen fühle ich meinen Magen… Hm. es scheint, als habe meine Verdauung wieder mal ausgesetzt – wie so oft beim Reisen. Ein Schnaps wird da sicher helfen. Ich gehe ins Dels und bestell mir einen Sambuca – …und wenn man schon mal da ist, kann man ja noch ein bisschen bleiben.
Es wurde Abend und es wurde morgen …und es wurde Mittag bis der Donnerstag begann.
Abends bin ich bei Lynsey in East-Kilbride zum Essen eingeladen. Ich treffe mich mit ihrem Freund Andrew in der Stadt, und wir fahren gen Süden, etwa eine dreiviertel Stunde. „Lynsey hat gekocht“ erklärt Andrew. „Es wird einen Steak-Pie geben – erm… das ist im Grunde einfach ein Haufen Fleisch mit einem Haufen Blätterteig drauf!“ und lacht. Es folgen Ausführungen über den Rolls-Royce beim Haggis, die Chippy-Kultur der Briten…
Das Essen bei Lynsey war toll. Auch ihre Mum ist da. Sie erzählt von ihren Erlebnissen in Italien. „Nein, ich hab mich da echt nicht wohl gefühlt. Im Bus und überall musst du Angst um deine Brieftasche haben! Die bestehlen dich, ohne dass du’s merkst – das ist hier in Glasgow nicht so!“ – „ja,“ meine ich „hier beklaut sich keiner heimlich – hier stellen sie sich vor dich hin, mit einem auf einen Hammer gebundenen Stanley Messer, und erstechen dich, wenn sie dein Geld wollen!“ (Glasgow ist die Stadt mit der höchsten Kriminalität in Europa – der letzte Satz den ein Weegie hört bevor er stirbt: „Gees yer jacket!“ – gib mir deine Jacke! gefolgt vom berüchtigten „glaswegian kiss“ und/oder dem „glaswegian smile„) weiterführende Literatur zum Thema hier.
Der Abend war toll, das Essen ausgezeichnet, wenn da nicht wieder dieses Unwohsein in meinem Magen wäre. Verdammt! Ich kann doch nicht den Nachtisch stehen lassen?! Andrew und ich fahren wieder zurück nach Glasgow als es spät wird. ImBus wird mein Magen nicht wirklich besser. Andrew fragt, ob er was für mich tun kann. „Maybe you could find a bag… – Not that I intend to actually use it, but I recon the thought of it simply being there might help – ta“. Auch die frische Luft hilft nicht wirklich, als wir mitternachtens aus dem Bus auf die Strasse taumeln. Andrew begleitet mich netterweise noch bis zur Tennent Brewery, und 20 Meter nachdem wir uns verabschiedet hatten suchte ich die Büsche auf. …mir war nicht bewusst gewesen, dass ich in den vergangenen drei Tagen so viel in mich hinein gesteckt hatte, wie da zum vorschein kam. Aber lassen wir das…
Am Freitag Abend wollte ich nochmal weggehen und mich von weiteren Freunden in Glasgow verabschieden. Ich war schon um 7 mit Andrew und Lynsey verabredet. wir gingen in die Polo Lounge, und sassen lange bei guten drinks, welche uns für den Abend vorbereiten sollten. …Das taten sie auch
Später kamen Javi, Alasdair, Tina, Christina und Doom, Charlie, Alan von Dels und noch ein paar Leute mehr. Wir hatten eine fantastische Nacht, tanzten, tranken und lachten. Zum Schluss liess sich der DJ sogar noch zu The Killers – Mr. Brightside überreden! …ich war der pure Schneekönig! Das Abschiedsprozedere, das begann, als der Club um 3 zumachte, dauerte gut und gerne eine Stunde, und ich spürte, dass wir das würdig abgeschlossen haben
Als ich am Samstag dann nochmal in die Stadt ging, schien die Sonne. Ich wollte Javi nochmal treffen, und mit ihm meine letzten Stunden bewusst zu erleben. Wir gingen zu St. Enoch square, kauften noch mal Chicken Pasties bei Greggs, schlenderten die Buchanan Street hinauf zu den Galleries, und über die Sauchiehall Street. Bei Costa nahmen wir noch einen Cappuccino und gaben uns unbeschwerten Plaudereien hin. Diese ganze Zeit über aber fühlte ich mich bereits nicht mehr zuhause in dieser Stadt. Ich war ein Tourist – heute hier, morgen da. Wie seltsam… Als wäre hinter mir mit einem Lächeln eine Tür zugegangen, begann alles, Erinnerung zu werden. Da ich noch nicht gepackt hatte, und auch das Zimmer noch geputzt werden wollte, verabschiedete ich mich von Javi, und ging zurück „nach Hause“ – nach Dennistoun.
Sonntag Früh! Ich hattte vielleicht eine Stunde geschlafen, vielleicht mehr, vielleicht weniger. Es ging alles sehr schnell. Good bye, Peter (and Dicky, and Crichton, and Eiffel) and thanks. David fuhr mich zum Flghafen. Es reichte noch für einen Muffin und einen Kaffee. Schon sass ich im
Flugzeug, die dicke Wolkendecke die am Mittag über Glasgow lag, schloss sich beim Abheben unter mir wie eine riesige Schatztruhe, in der sich Glasgow, Bagdad, und alle Geschichten aus 1001 Nacht befanden. – ich lächelte wieder ein bisschen, und der Spruch, den ich auf einem Billgien T-Shirt gelesen hatte, flackerte in meinen Gedanken auf: „You can take the boy out of Glasgow – but you can’t take Glasgow out of the boy.“ – Goodbye, MY Glasgow, the lovely Green.
„Tea or Coffee, sir?“ – „Tea and a bottle of water please.“ und einmal mehr fly, nibble, enjoy. „Die Schweiz hat mich wieder“ ist mein Gedanke, als der Herr neben mir seinen Hals reckt, und neidisch in die business class lugt. „They have hot food!“ war sein Kommentar mit der unverkennbaren schweizerdeutsch-melodischen Färbung. „Die Schweiz hat mich wieder“ ist mein Gedanke beim Anflug. Überall scheint es erst kürzlich geschneit zu haben, aber als wir das Flugzeug verlassen scheint freundlich die Abendsonne durch milchige Flughafenfenster. Schön wieder hier zu sein, wo die Sonne scheint. Schöner noch, zu wissen, dass sie auch morgen den ganzen Tag, und vermutlich auch übermorgen scheinen wird, in dem Land, wo sich das Wetter nicht mehr 4x am Tag ändert. Ob das besser ist? –
Anders eben… schön, dass es wo anders anders ist; Sonst wäre es zuhause ja wie überall.
Nostalgisch schwebt mein Finger über den Globus, schweifen meine Augen im Adlerflug über die Google Earth Karten. Doch, da hängt tatächlich ein Kilt in meinem Schrank – ich dachte schon, ich hätte das alles nur geträumt… vielen Dank, Glasgow! mòran taing! many thanks…